Video: Streikaktion auf Paradeplatz

Nachliefern wollen wir noch unser Video von der Streikaktion auf dem Paradeplatz beim letzten Warnstreik. Wir haben Schiffe aus Zeitungspapier gebastelt und diese im Brunnen treiben lassen. Es sollte eine symbolische Aktion sein. Wir finden nämlich: Journalismus darf nicht absaufen! Wir müssen dafür einstehen, dass dieser Beruf attraktiv bleibt – auch für nachfolgende Generationen. Kaputtsparen waren gestern! Jetzt müssen die Verleger eine Lohn-Schippe drauflegen. Journalisten dürfen nicht untergehen!

Immer noch kein Abschluss

Tageszeitungstarifverhandlungen erneut unterbrochen

Berlin, 5.06.2018 – Der Deutsche Journalisten-Verband und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger sind in der sechsten Verhandlungsrunde gestern und heute in Berlin immer noch nicht zu einem Abschluss für die rund 13.000 Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen gekommen. DJV und dju erklärten die Tarifverhandlungen erneut für unterbrochen. Die vom BDZV angebotene Erhöhung sollte rückwirkend zum 1. Mai 2018 1,7 Prozent und 500 Euro Einmalzahlung (70 für Volos) betragen, ein Angebot etwa auf Höhe der Teuerungsrate. Eine weitere Gehaltssteigerung in Höhe von 2,2 Prozent linearer Anhebung wurde für Januar 2019 angeboten. „Immer noch kein Abschluss“ weiterlesen

Jungredakteure und Volontäre fordern mehr Wertschätzung – auch durch Lohn!

Wir recherchieren, schreiben für alle Kanäle, fotografieren, drehen und schneiden Filme, redigieren Texte, layouten und geben jeden Tag mehr als 100 Prozent. Trotzdem sollen wir Jungredakteure und Volontäre immer weniger verdienen – bei befristeten Verträgen und unsicherer Zukunft der Branche. Darum unterstützen wir den Deutschen Journalistenverband (DJV) und die Deutsche Journalisten-Union (dju) in ver.di mit ihrer Forderung von 4,5 Prozent mehr Gehalt und monatlich mindestens 200 Euro mehr für uns Berufseinsteiger. Denn: „Journalismus ist kein Job. Er ist Passion“, sagt eine Volontärin, die lieber anonym bleiben möchte – wie alle Volontäre und Jungredakteure, die sich hier äußern. Sie wollen keine Schwierigkeiten.

„Niemand erlernt diesen Beruf „Jungredakteure und Volontäre fordern mehr Wertschätzung – auch durch Lohn!“ weiterlesen

Wir lassen uns nicht ausbooten

Journalisten lassen sich nicht ausbootenSymbolische Aktion auf dem Mannheimer Paradeplatz: Schiffchen aus Zeitungspapier sollen zeigen: Die Redakteure lassen sich nicht ausbooten. Bild: Masterpress

Mannheim, 29. Mai 2018. Mit einer Aktion auf dem Paradeplatz haben knapp 30 streikende Redakteure des Mannheimer Morgen am Vormittag ihren Forderungen im aktuellen Tarifstreit Nachdruck verliehen. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht ausbooten“ bastelten sie Schiffchen aus Zeitungspapier und ließen sie im Brunnen zu Wasser. Die Journalistengewerkschaften DJV und dju in Verdi fordern 4,5 Prozent mehr Gehalt, für Volontäre und Berufseinsteiger 200 Euro im Monat. „Der Journalismus darf nicht untergehen“, war auf einem der Plakate zu lesen. Durch Kürzungen und Reallohnverluste in den vergangenen Jahren werde der Beruf immer unattraktiver, kritisieren die Streikenden. Damit sei auf Dauer auch das hohe Gut der Pressefreiheit in Gefahr.

Warnstreik vor der siebten Verhandlungsrunde

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Die Urabstimmung hat ein klares Signal gegeben: Die Tageszeitungsredakteure wollen bundesweit in einen unbefristeten Streik treten, sollte sich am Sonntag das Angebot der Verleger bei der nunmehr siebten Verhandlungsrunde in Hamburg nicht verbessern. Mit einem erneuten Warnstreik am Donnerstag machten auch die Redakteure des Mannheimer Morgen klar, dass sie sich nicht weiter abhängen lassen wollen.

Der Donnerstag stand im Zeichen der Debatte. Erst vor dem Verlagsgebäude in der Dudenstraße, dann im Streiklokal diskutierten etwa 30 Redakteure über das weitere Vorgehen, wenn sich Verlegerverband und Gewerkschaften am Sonntag nicht einigen sollten. Außerdem planten sie die Fahrt nach Heilbronn am darauffolgenden Freitag zur landesweiten Kundgebung.

Alle waren sich jedenfalls einig: „Unsere Arbeit ist mehr wert – und das sollen auch die Verleger endlich verstehen.“

Streikende bei OB Kurz

„MM“-Redakteure informieren Mannheimer Oberbürgermeister Kurz über Tarifverhandlungen

Mannheim, 4. Juni 2018: Redakteure des „Mannheimer Morgen“ haben den Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) über die Tarifverhandlungen für Tageszeitungsredaktionen informiert.

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz im Gespräch mit den „MM“-Redakteuren Heike Rentsch, Tatjana Junker, Frank Schumann und Alexander Jungert (v.l.n.r.). Bild: Blüthner

Bei einem Treffen im Mannheimer Rathaus parallel zur sechsten Verhandlungsrunde am 4. Juni in Berlin machten die Redakteure deutlich, wie wichtig ein echter Reallohnzuwachs bei Gehältern und Honoraren für die dauerhafte journalistische Qualität ist. Fundierte Informationen und kompetente Berichterstattung sind für eine funktionierende Demokratie unverzichtbar, betonten die Redakteure. Umso wichtiger sei neben einem akzeptablen Plus für die Redakteure eine spürbare Anhebung der Vergütung für Jungredakteure und Volontäre. Nur damit, so die „MM“-Redakteure gegenüber Kurz, ließen sich Kreativität und Know-how in den Redaktionen auch für die Zukunft sicherstellen.

dju: Windschiefe Propaganda des BDZV

dju-Tarifinfo: Faktencheck zum BDZV-Flugblatt

Wenige Tage vor der sechsten Runde der Tarifverhandlungen für die Zeitungsjournalistinnen und -journalisten (am 4. Juni in Berlin) hat der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) ein Flugblatt in zahlreiche Redaktionen geschickt. Klaus Schrage, Tarifkommissionsvorsitzender der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, hat den Inhalt einem Faktencheck unterzogen. Sein Fazit: Es ist mehr windschiefe Propaganda als Information.

Der BDZV behauptet, dass er „größtmögliche Verhandlungsbereitschaft“ bewiesen habe. Jetzt seien die Gewerkschaften am Zug. Das ist falsch. Der BDZV ist der dju in ver.di nur mit kleinsten Schritten entgegengekommen. Klaus Schrage: „Wer einen Abschluss will, muss zuerst ein Angebot unterbreiten, über das es sich überhaupt zu verhandeln lohnt. Das war bisher nicht der Fall. Also sind die Verleger am Zug.“

Der BDZV stellt fest, dass er einen überproportionalen Gehaltsanstieg für Berufseinsteiger angeboten habe. 120 Euro mehr pro Monat entsprächen einem prozentualen Entgeltanstieg von 3,69 Prozent. Es gibt dieses Angebot, allerdings nicht seit dem Beginn der Verhandlungen. Die BDZV-Verhandler haben damit vielmehr auf die starke und schlüssige Argumentation der Gewerkschaften reagiert, dass die wachsenden Probleme bei der Suche nach fähigem Nachwuchs ohne deutliche finanzielle Aufwertung für Jungredakteurinnen und -redakteure anders nicht zu lösen seien.

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„Frischer Freitag“ mit Apfel-Rechnen

 

Heddesheim, 1. Juni 2018. – Immer freitags ist Wochenmarkt in Heddesheim. „Frischer Freitag“ nennt er sich. Händler aus der Region bieten Produkte aus der Region an. Fisch und Fleisch, Käse und Wurst. Obst und Gemüse. Die Streikenden des „MM“ haben dem Markt heute einen Besuch abgestattet und sind mit den Lesern ins Gespräch gekommen. Die Ausgabe Neckar-Bergstraße des „MM“ ist hier als Tageszeitung die unangefochtene Nummer 1. Ob die Leser gerne etwas anders hätten? Nein, die allermeisten sind zufrieden, wie die Redakteure aller Ressorts im Dialog mit Abonnenten erfahren.

IMG_0558Aber warum wird eigentlich gestreikt? Darauf gibt es von den Streikenden eine klare Antwort. „Wir wollen uns nicht länger abhängen lassen“, sagen sie und verweisen auf die Lohn- und Gehaltsentwicklung in anderen Branchen, die deutlich besser ausfällt als bei den Journalisten. Ein aufgeschnittener Apfel demonstriert das – passend zum Wochenmarkt – ganz gut. Während die Tariflöhne in oder Gesamtwirtschaft seit 2000 um fast 50 Prozent angestiegen sind, war es bei den Journalisten gerade mal ein Plus von 25 Prozent – als würde dem knackig roten Apfel ein Viertel fehlen. Und dieses Viertel wollen die Streikenden jetzt endlich wieder zurück.

Die Verleger verfahren bei den aktuellen Tarifverhandlungen hingegen nach einem anderen Prinzip. Sie scheinen ein Gedicht von Frantz WIttkamp verinnerlicht zu haben:

Komm, wir teilen brüderlich
den Apfel in der Mitte.
Zwei der Hälften esse ich
und du bekommst die dritte.

Die streikenden Redakteure wollen sich nicht länger mit dieser „dritten Hälfte“ abspeisen lassen. Sie fordern 4,5 Prozent mehr und für die jungen Kollegen mindestens 200 Euro im Monat. So geht fairer Handel.